Wie 15 Minuten die Jahresstromrechnung bestimmen – die ökonomische Bedeutung von Lastspitzen

Steigende Stromkosten trotz konstanter Stromabnahme

In vielen Industrie- und Gewerbebetrieben zeigt sich seit einigen Jahren ein wiederkehrendes Muster: 

Der Jahresstromverbrauch ist stabil oder rückläufig, dennoch nimmt die Kostenbelastung zu. Effizienzmaßnahmen greifen, Prozesse sind optimiert, teilweise wird bereits Eigenstrom genutzt. Der erwartete Kosteneffekt bleibt jedoch aus.

Die Ursache liegt häufig nicht auf der Verbrauchsseite, sondern in der leistungsbezogenen Abrechnung

In Industrie und Gewerbe ist nicht nur entscheidend, wie viel Energie bezogen wird, sondern auch, welche maximale elektrische Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt abgerufen wird. Ein einzelnes 15-Minuten-Intervall kann ausreichen, um den Leistungspreis für ein gesamtes Jahr festzulegen. Lastspitzen wirken damit langfristig – auch wenn sie operativ kaum wahrgenommen werden.

Leistungsbasierte Abrechnung als versteckter Kostentreiber

Stromnetze sind physikalisch auf Spitzenlasten ausgelegt. Leitungen, Transformatoren und Umspannwerke müssen jederzeit die maximale benötigte Leistung bereitstellen können. Aus diesem Grund erfolgt die Abrechnung im Industriebereich leistungsorientiert.

Die sogenannte 15-Minuten-Messung dient dazu, kurzzeitige Leistungsspitzen systematisch zu erfassen. Der höchste gemessene Viertelstundenwert innerhalb eines Abrechnungsjahres definiert die Jahreshöchstleistung – und damit die Grundlage für leistungsabhängige Netzentgelte und den Leistungspreis.

Die daraus resultierenden Kostenkomponenten – insbesondere Leistungspreise und leistungsabhängige Netzentgelte – spiegeln somit nicht das Betriebsprofil, sondern die maximale Inanspruchnahme der Netzinfrastruktur wider.

Während der Arbeitspreis unmittelbar mit der verbrauchten Energiemenge korreliert, folgt der Leistungspreis einer völlig anderen Logik. Er ist nicht zeit- oder mengenabhängig, sondern ausschließlich höhenabhängig. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht handelt es sich um einen Fixkostenblock, dessen Höhe durch einen einzelnen Messwert bestimmt wird.

In der Praxis führt dies zu einer Schieflage in der Energieoptimierung: Effizienzmaßnahmen senken variable Kosten, während leistungsabhängige Kosten unverändert bleiben oder sogar steigen.

Besonders problematisch ist dabei, dass Leistungsspitzen häufig außerhalb des regulären Produktionsoptimums auftreten und daher nicht im Fokus klassischer Effizienzbetrachtungen stehen.

Charakteristik und Entstehung von Lastspitzen

Lastspitzen sind kein Ausdruck ineffizienter Einzelanlagen, sondern das Ergebnis einer zeitlichen Überlagerung von Lasten. Sie entstehen dort, wo mehrere leistungsintensive Prozesse gleichzeitig aktiv sind oder hohe Anfahrleistungen innerhalb kurzer Zeitfenster zusammenfallen.

Auffällig ist, dass diese Leistungsspitzen in vielen Industrie- und Gewerbebetrieben nicht während des kontinuierlichen Produktionsbetriebs auftreten, sondern häufig in den frühen Morgenstunden. Typische Auslöser sind das Hochfahren von Anlagen zu Schichtbeginn, der gleichzeitige Start mehrerer Produktionslinien oder das Aktivieren unterstützender Systeme nach Stillstandszeiten.

Charakteristisch für diese Lastspitzen ist ihre kurze Dauer. Sie bauen sich innerhalb weniger Minuten auf und erreichen für ein einzelnes 15-Minuten-Intervall ein hohes Leistungsniveau, bevor sie wieder abflachen. Energetisch sind diese Ereignisse unbedeutend, leistungsseitig jedoch hochrelevant.

Typische Rahmenbedingungen für Lastspitzen sind:

  • synchrone Anlagenstarts
  • Schicht- und Produktionswechsel
  • Ladeprozesse elektrischer Verbraucher
  • temperaturabhängige Zusatzlasten, etwa durch Kälte- oder Heizsysteme
 

Gerade aufgrund ihres zeitlichen Auftretens lassen sich diese Spitzen nicht durch Photovoltaikanlagen kompensieren, deren Erzeugungsschwerpunkt in den Mittagsstunden liegt. Auch andere Erzeugungsanlagen sind häufig ungeeignet, da ihre Reaktionszeiten zu lang sind, um kurzfristige Leistungsanforderungen innerhalb eines 15-Minuten-Fensters zuverlässig abzufedern.

In Lastganganalysen zeigen sich diese Ereignisse entsprechend als schmale, aber ausgeprägte Peaks. Für die Abrechnung zählt ausschließlich der höchste gemessene 15-Minuten-Wert eines Jahres. Ob dieser einmalig oder regelmäßig auftritt, ist unerheblich. Damit wird aus einem kurzzeitigen betrieblichen Ereignis eine strukturelle Kostenposition.

Ein moderater Anstieg der Bezugsleistung um wenige hundert Kilowatt kann – abhängig vom Leistungspreisniveau – jährliche Mehrkosten im fünfstelligen Bereich verursachen. Diese Kosten wirken über den gesamten Abrechnungszeitraum und beeinflussen unmittelbar die Wirtschaftlichkeit eines Standorts.

Zunehmende Relevanz durch Elektrifizierung und Netzrestriktionen

Die Bedeutung von Lastspitzen wird im Zuge der fortschreitenden Elektrifizierung weiter zunehmen. Elektrische Antriebe, Ladeinfrastruktur, Wärmeerzeugung sowie zunehmend elektrisch bereitgestellte Prozesswärme erhöhen die gleichzeitige Leistungsanforderung in Industrie- und Gewerbebetrieben spürbar. Damit verschiebt sich der Fokus der Energiekosten zunehmend von der reinen Energiemenge hin zur verfügbaren und abgerufenen Leistung.

Parallel dazu stoßen bestehende Netzanschlüsse immer häufiger an ihre technischen und wirtschaftlichen Grenzen. Netzverstärkungen sind mit hohen Investitionen, langen Vorlaufzeiten und regulatorischen Genehmigungsprozessen verbunden. In der Praxis wird die maximal verfügbare Anschlussleistung damit selbst zu einem begrenzenden Produktions- und Wachstumsfaktor.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Lastspitzen eine zusätzliche strategische Dimension. Sie beeinflussen nicht nur die laufenden Stromkosten, sondern zunehmend auch die Flexibilität eines Standorts und seine zukünftige Entwicklungsfähigkeit.

Hinzu kommt, dass auf regulatorischer Ebene perspektivisch eine stärkere Variabilisierung der Netzentgelte diskutiert wird. Ziel ist es, Netzengpässe stärker über Preissignale abzubilden und Lastverhalten zu steuern. Für Industrie- und Gewerbebetriebe bedeutet dies, dass kurzfristige Leistungsspitzen künftig noch unmittelbarer und kostenwirksamer in die Netzentgeltstruktur einfließen könnten. Die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Lastereignisse würde sich dadurch weiter verschärfen.

Klassische Effizienzmaßnahmen stoßen in diesem Kontext an ihre Grenzen. Sie adressieren primär den Arbeitspreis, indem sie den Energieeinsatz pro Produktionseinheit senken. Auf die zeitliche Gleichzeitigkeit von Lasten und damit auf die leistungsbezogene Kostenwirkung haben sie jedoch nur begrenzten Einfluss.

Auch Eigenstromerzeugung verändert die Leistungscharakteristik häufig nicht ausreichend – insbesondere dann, wenn Lastspitzen außerhalb der Erzeugungszeiten auftreten oder durch nicht verschiebbare Prozesse verursacht werden. Die Reduktion von Lastspitzen erfordert daher eine explizit leistungsbezogene Betrachtung, die über reine Verbrauchsoptimierung hinausgeht.

Illustrative Lastspitzenkappung durch einen Batteriespeicher

Batteriespeicher als gezielte Antwort auf leistungsbezogene Kosten

Batteriespeicher setzen genau an diesem Punkt an. Sie entkoppeln kurzfristig Leistung und Energie, indem sie in den relevanten Zeitfenstern Leistung bereitstellen und den Netzanschluss entlasten. Der Betrieb bleibt unverändert, die Abrechnung verändert sich.

Im Industrieumfeld sind Batteriespeicher damit weniger eine Energie-, sondern eine Infrastrukturmaßnahme. Sie wirken auf den leistungsabhängigen Kostenblock, erhöhen die Planbarkeit der Energiekosten und schaffen zusätzliche Flexibilität am Netzanschluss.

Entscheidend ist dabei nicht der Speicher allein, sondern das Zusammenspiel aus Auslegung, Regelstrategie und Integration in den bestehenden Lastgang.

Fazit: Lastspitzen sind steuerbar – mit dem richtigen Ansatz

Lastspitzen sind kein Zufall und kein Randthema. Sie sind das Ergebnis der heutigen Netz- und Abrechnungslogik und haben einen direkten Einfluss auf die Kostenstruktur von C&I-Standorten.

Wer seine Leistungscharakteristik versteht, kann fundierte Entscheidungen treffen – technisch wie wirtschaftlich. Die gezielte Begrenzung von Lastspitzen ist dabei kein Eingriff in den Betrieb, sondern eine Frage der richtigen Infrastruktur.

Wir unterstützen Industrie- und Gewerbekunden dabei, ihre Lastspitzen sachlich zu analysieren und wirtschaftlich zu bewerten. Auf dieser Basis entwickeln wir maßgeschneiderte C&I-Batteriespeicherlösungen, die exakt auf den jeweiligen Lastgang, Netzanschluss und Kostenrahmen abgestimmt sind.

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